sola.
Leitfrage
Wie können wir Menschen ohne technisches Vorwissen zeigen, ob und wann sich eine Photovoltaikanlage für sie lohnt?
Kurzbeschreibung
sola. ist ein ganzheitliches System, das die Einstiegshürde für eine eigene Photovoltaikanlage senkt. Ein Testkit misst direkt auf dem Dach, wie viel Sonne und Schatten dort tatsächlich ankommen. Eine App übersetzt die Messwerte in verständliche Größen wie gesparte Euro oder Waschmaschinenladungen und berechnet, wann sich eine Anlage rentiert. Nach dem Kauf zeigt eine Indikator-Uhr im Wohnbereich Ertrag, Verbrauch und Akkustand auf einen Blick, ohne dass jemand die App öffnen muss.

Nicht fehlendes Interesse, sondern fehlende Orientierung
Viele Menschen wollen etwas für die eigene Energieversorgung tun, entscheiden sich aber nie. 64 % der Eigenheimbesitzer:innen fühlen sich beim Thema PV schlecht informiert (Civey/Qcells 2024), der Zubau bei Eigenheimen ist 2025 um rund 28 % eingebrochen. Auch nach dem Kauf bleibt es unübersichtlich: In unserer Umfrage achtete in rund 71 % der Haushalte nur eine Person auf den Ertrag, und über die Hälfte nutzt die eigene PV-App selten oder nie.
Wir haben den Lebenszyklus einer PV-Anlage vom ersten Impuls bis zur langjährigen Nutzung in Storyboards nachgezeichnet, Studien ausgewertet und eigene Umfragen durchgeführt. Entscheidend sind zwei Phasen: die Kaufentscheidung und der Alltag danach.

Konzept: Messen statt schätzen, sehen statt suchen
Online-Simulationen scheitern an lokalen Details wie dem Baum im Garten oder der eigenen Gaube. Das Testkit liefert deshalb echte Messdaten vom eigenen Dach, bei geringem Risiko. Die App macht daraus eine persönliche Rechnung. Der Indikator löst das Problem nach dem Kauf: Statt eines weiteren Dashboards wird ein Alltagsgegenstand, eine Uhr, zur Anzeige für die ganze Familie. Zusammen decken die drei Teile fast den kompletten Lebenszyklus ab. Eine bestehende Lösung, die das leistet, gibt es bisher nicht.

Vom Ballon zum Mesh
Für das Testkit haben wir verschiedenste Techniken probiert. Alle scheiterten an Blickwinkel, Stabilität oder Datenschutz. Unsere Lösung ist ein Mesh aus kleinen, autarken Modulen, die mit Vakuum-Saughebern direkt auf dem Dach haften. Jedes Modul besteht aus Solarpanel, ESP-Mikrocontroller, Laderegler und Akku. Aus dem Vergleich der Module lässt sich der Schattenwurf auf dem ganzen Dach berechnen. Im finalen Konzept sammelt ein Hub im Steckdosenformat die Daten und bindet sie per Zigbee ans Smart Home an. Die App führt per Kopplungscode durchs Onboarding, zeigt täglich in Euro, was man mit einer Anlage gespart hätte, lässt Schatten im Zeitraffer über das Dach wandern und berechnet die Amortisation.

Die Uhr: Energie auf einen Blick
Mein Schwerpunkt war die Indikator-Uhr. Für jede Stunde zeigt sie zwei Strahlen: einen schmalen, hellen für den Ertrag und einen breiten, dunklen für den Verbrauch, jeweils mit 12-Stunden-Prognose. Aus der Differenz liest man ab, ob gerade eingespeist wird. Ein Lichtring füllt sich mit dem Akkustand. Der erste Mechanismus mit 24 Servos scheiterte am zu kurzen Drehbereich. Im finalen Aufbau schieben zwei Schrittmotoren über Gewindestangen einen Magnetreiter, der die Strahlen bewegt, und ein 360-Grad-Servo dreht das Modul zur nächsten Stunde. Filz hält die Strahlen in Position. Formprototypen aus Schokolade, Pappe und 3D-Druck führten zum finalen Material: gebürstetes Aluminium, Acrylglas und mattes Grau, angelehnt an Calm Technology.

Team, Rolle und Ausblick
sola. entstand interdisziplinär (Interaktionsgestaltung und Produktgestaltung) mit Annika Feist, Tobias Wallisch und Leonard Zacke. Ich habe die Gesamtkonzeption, die Ideenfindung und den User Research maßgeblich geprägt und den mechanischen Prototyp der Indikator-Uhr weitgehend selbst gebaut. In allen anderen Bereichen habe ich mitgearbeitet, die Renderings stammen aus dem Team.
Der Prototyp zeigt das Prinzip, ist aber kein Serienprodukt: Die Smart-Home-Anbindung war im Semester nicht umsetzbar, und die Mechanik der Uhr müsste für den Alltag präziser und robuster werden.
Keydata
- Kurse
- Invention Design 1 (IG3) + Produktgestaltung 3 · SoSe 2026
- Betreuung
- Prof. Michael Schuster, Ron Jagodzinski
- Team
- 4 Personen (IG + PG)
- Meine Rolle
- Konzeption, Research, Physical Prototyping (Uhr)
- Methoden
- Storyboards, Umfragen, Persona, Crazy 8s, User-Tests, Form- & Materialprototypen
- Tech
- ESP, Arduino, 3D-Druck, Fusion 360, Figma